Der California Assembly Bill AB 2047 sorgt in der 3D-Druck-Community weltweit für Aufruhr. Der Gesetzesentwurf würde jeden 3D-Drucker, der in Kalifornien verkauft wird, zu einem staatlich zugelassenen Gerät mit Zensur-Software machen. Hacker News diskutiert das Thema seit Mitte April mit über 500 Punkten und 470 Kommentaren – eine der meistdiskutierten Tech-Geschichten der letzten Wochen.

Was AB 2047 vorsieht

Das Gesetz verlangt von Herstellern, zu bestätigen, dass ihre 3D-Drucker Algorithmen oder andere Technologien einsetzen, die das Drucken von Schusswaffenkomponenten verhindern. Konkret bedeutet das:

  • Zulassungsliste: California DOJ führt ab Juli 2027 eine Liste genehmigter Drucker. Nur Geräte auf dieser Liste dürfen in Kalifornien verkauft werden.
  • Pflicht zur Zensur-Software: Hersteller müssen Open-Source-Alternativen kriminalisieren oder verbieten
  • Kein Verkauf ohne Attest: Ab Juli 2028 müssen alle Hersteller attestieren, die DOJ-Standards zu erfüllen

Das Gesetz orientiert sich an ähnlichen Vorstößen in Washington (HB 2321) und New York – geht aber noch weiter, da es den Verkauf nicht-zugelassener Modelle generell verbietet.

Warum die Electronic Frontier Foundation (EFF) alarmiert ist

Die EFF hat in einem vielzitierten Artikel die strukturellen Probleme des Gesetzes benannt:

  • Technisch nicht lösbar: Es gibt keine zuverlässige Software, die eine Schusswaffenkomponente von einem harmlosen Mechanikteil unterscheiden kann. Jede “Erkennungs”-Software produziert Fehlalarme – Zahnräder, Gehäuse und Ersatzteile könnten betroffen sein.
  • Open-Source wird kriminalisiert: Wer OrcaSlicer, PrusaSlicer oder andere freie Software nutzt, die keine Zensur-Algorithmen enthält, könnte sich strafbar machen.
  • Kontrolle über legale Herstellung: Das Gesetz greift direkt in das Recht ein, legale Objekte herzustellen – von Werkzeug bis Kunstobjekten.

Reaktion der Community

Auf Reddit, Hacker News und X ist die Reaktion eindeutig. Unter den meistzitierten Kommentaren: “Das ist wie ein Gesetz zu verlangen, dass Küchenmesser-Hersteller Software einbauen, die Wunden verhindern.”

Es existiert bereits eine Kampagnen-Website (dont-ban-3dprinters.com), die zum Widerstand gegen das Gesetz aufruft und Kontaktadressen für Abgeordnete bereitstellt.

Was bedeutet das für Nutzer außerhalb der USA?

Kurzfristig: nichts direktes. Das Gesetz gilt nur für Californiern und nur, wenn es verabschiedet wird. Aber:

  • Große Hersteller wie Bambu Lab, Creality und Prusa verkaufen global. Wenn sie ihren Drucker für Kalifornien anpassen müssten, könnte das Auswirkungen auf globale Firmware-Entscheidungen haben.
  • Ähnliche Gesetze wurden in New York und Washington eingebracht – ein Dominoeffekt ist möglich.
  • Die EU beobachtet solche Entwicklungen aktiv. Regulatorische Diskussionen um 3D-gedruckte Waffen gab es auch in Deutschland.

Aktueller Stand

Das Gesetz befindet sich im Ausschuss und muss noch mehrere Abstimmungsrunden durchlaufen. Die NRA-ILA und die EFF – ungewöhnliche Verbündete – sprechen sich gemeinsam dagegen aus. Die Maker-Community aus Ingenieuren, Cosplayern, Heimwerkern und Lehrkräften ist laut.

Ob AB 2047 in seiner jetzigen Form verabschiedet wird, ist offen. Schon die Diskussion selbst zeigt jedoch, dass 3D-Drucker zunehmend in das Blickfeld von Regulierungsbehörden geraten.