Multicolor-3D-Druck war lange das Privileg von Nutzern mit Budget für ein Bambu-Lab-AMS-Kombopaket. Der Anycubic Kobra X ändert das: Für rund 299 Dollar (in Europa ca. 280–320 Euro) bekommt man 2026 einen Drucker, der mehrfarbige Objekte drucken kann – inklusive automatischem Materialwechsler.
Was der Kobra X bietet
Der Kobra X ist ein offener Bed-Slinger – das Druckbett bewegt sich wie beim Bambu Lab A1 in Y-Richtung – mit einem integrierten 4-Farb-Wechselsystem (ACE Gen 2) direkt am Druckkopf. Die Spezifikationen im Überblick:
- Druckgeschwindigkeit: bis zu 600 mm/s bei bis zu 20.000 mm/s² Beschleunigung (realistisch: 250–350 mm/s für gute Qualität)
- Bauraum: 260 × 260 × 260 mm
- Farben: 4 gleichzeitig mit dem integrierten Wechsler, mit zusätzlichen ACE-2-Pro-Einheiten bis zu 19
- Automatische Kalibrierung: ja, per Sensorfusion
- Kompatibilität: PLA, PETG, TPU, ABS
Was beim Kobra X auffällt: Anycubic hat bei der Hardware nicht an offensichtlich falschen Stellen gespart. Das Druckbett ist Hochtemperatur-fähig, der Extruder ist ein Dual-Gear-System, und die Linearführungen sind aus Metall.
Eingespart wurde bei Firmware-Features und bei der App-Integration. Wer ein Bambu-Lab-ähnliches Ökosystem mit Cloud-Monitoring, Timelapse und nahtloser Slicer-Integration erwartet, wird enttäuscht sein.
Community baut eigene Slicer-Profile
Bemerkenswert: Die Anycubic-Community auf Reddit hat innerhalb weniger Wochen nach dem Release eigene Orca-Slicer-Profile für den Kobra X entwickelt. Diese Community-Profile optimieren Druckparameter, Retraction-Einstellungen und Purge-Volumen besser als die mitgelieferten Anycubic-Profile.
Das ist kein Einzelfall – es ist eine Stärke des Open-Source-Slicer-Ökosystems. Orca Slicer erlaubt Profilsharing über GitHub-Repositories, und die 3D-Druck-Community nutzt das aktiv.
Ein Nutzer aus r/AnycubicKobraX: “Vergiss die mitgelieferten Profile. Lad dir das Community-Profil von GitHub und der Drucker läuft wie ein Traum. Tag 1 hatte ich Stringing-Probleme, mit dem Community-Profil war das am Tag 2 Geschichte.”
Was fehlt gegenüber teureren Systemen
Ehrlichkeit ist angebracht: Der Kobra X ist kein Bambu Lab X2D. Was fehlt:
Kein LiDAR: Bambu Labs Schichterkennung und automatische Fehlerkorrektur sind einem günstigeren Sensor-Setup unterlegen. Druckfehler werden nicht in Echtzeit erkannt.
Langsamere Wechselzeiten: Der Materialwechsler braucht 4–6 Sekunden pro Farbwechsel. Bei komplexen Objekten mit vielen Farbwechseln verlängert das die Druckzeit spürbar.
Purge-Material: Der Kobra X nutzt noch einen Purge-Tower. Kein Revolverdüsen-System wie der Palette 300, kein Hybridwechsler wie der H2C.
App-Ökosystem: Die Anycubic-App ist funktional, aber nicht so ausgereift wie Bambu Handy.
Für wen ist der Kobra X richtig?
Für Einsteiger mit Multicolor-Interesse, die nicht 600+ Euro ausgeben wollen. Wer hauptsächlich PLA druckt, gelegentlich mehrfarbige Objekte möchte und bereit ist, etwas mehr Zeit in die Einrichtung zu investieren, bekommt beim Kobra X ein solides Gerät.
Für professionelle Nutzer oder Leute, die täglich mehrfarbige High-Detail-Objekte drucken: Bambu Lab bleibt das ausgereiftere Ökosystem.
Marktperspektive
Der Kobra X zeigt, wohin der Markt sich entwickelt: Multicolor-Druck ist keine Premium-Funktion mehr. In zwei Jahren wird es schwer sein, einen neuen Drucker ohne Multicolor-Unterstützung zu kaufen. Das senkt die Einstiegshürde für alle – und zwingt Premium-Anbieter wie Bambu Lab, ihre Differenzierung weiter nach oben zu verschieben.