Prusa Research hat lange geschwiegen. Während Bambu Lab den Markt mit günstigen, schnellen und mehrfarbigen Druckern aufmischte, blieb die tschechische Traditionsfirma bei ihrer bewährten Linie. 2026 kommt die Antwort: das INDX-System mit wechselbaren Werkzeugköpfen.
Was das INDX-System ist
Das Prusa INDX ist ein Umbausatz für den Prusa Core One+ und basiert auf einem Werkzeugwechsler-Konzept (Tool Changer): Statt eines festen Extruders kann der Drucker automatisch zwischen verschiedenen Werkzeugköpfen wechseln. Ein Kopf für Standard-PLA, ein anderer für flexibles TPU, ein dritter für hochtemperaturbeständiges ASA – alles in einem Druckjob.
Das ist nicht neu als Konzept. E3D hat mit dem ToolChanger schon 2019 gezeigt, dass das funktioniert. Aber Prusa macht es massentauglich, mit typischem Fokus auf Zuverlässigkeit, Dokumentation und einem aktiven Ökosystem.
Der wichtigste Unterschied zu Bambu Labs AMS-Ansatz: Beim INDX wechselt der Drucker den gesamten Werkzeugkopf – keine Purge-Towerberge, kein Farbvermischungsproblem zwischen den Düsen. Jedes Material bleibt sauber getrennt.
Die Spitze gegen Bambu
Die Timing ist bewusst. Bambu Lab hat mit dem H2C (Vortek-Hotend-Wechsler) ebenfalls einen Werkzeugwechsler und mit dem X2D einen Dual-Nozzle-Drucker eingeführt – aber als geschlossenes Ökosystem mit proprietären Materialien und eingeschränkter Drittanbieter-Kompatibilität.
Prusa positioniert INDX ausdrücklich als Open Hardware: Werkzeugköpfe lassen sich selbst bauen, die Firmware ist quelloffen, Drittanbieter-Filamente werden unterstützt. Im Prusa-Forum fasst ein Nutzer die Stimmung zusammen: “Bambu macht dich abhängig, Prusa macht dich frei.”
Was die Community sagt
Die Reaktion in r/prusa3d und auf dem offiziellen Prusa-Forum ist gespalten – aber konstruktiv gespalten. Viele Nutzer, die zu Bambu Lab gewechselt sind, erwägen den Rückwechsel:
“Ich habe den MK4 verkauft und einen X1C gekauft. Den INDX werde ich trotzdem kaufen, weil ich wissen will, wo Prusa steht.”
Kritischer Punkt: der Preis. Seit dem 23. April 2026 ist das INDX bestellbar: Der Umbausatz mit 4 Werkzeugen kostet 669 Euro, die Variante mit 8 Werkzeugen 899 Euro (jeweils inkl. MwSt.). Dazu kommt der Core One+ selbst. Nach der Formnext hatte die Community mit deutlich weniger gerechnet, entsprechend groß war die Diskussion. Die erste Charge war trotzdem nach rund anderthalb Tagen ausverkauft, die Auslieferung startet im Juni 2026.
Ein Vorteil, den Prusa-Veteranen betonen: Reparierbarkeit. Der INDX ist – wie alle Prusa-Geräte – auf Selbstreparatur ausgelegt. Alle Teile sind einzeln bestellbar, alle Reparaturanleitungen öffentlich zugänglich. Das ist kein Luxus, sondern Philosophie.
INDX vs. Bambu H2C: Was ist besser?
Ein direkter Vergleich im Alltag ist noch schwierig, weil die ersten INDX-Kits erst ab Juni ausgeliefert werden. Außerdem ist das INDX ein Upgrade für einen vorhandenen Core One+, der H2C ein Komplettgerät. Die technischen Unterschiede sind aber klar:
Prusa INDX:
- Offenes Ökosystem, Drittanbieter-Materialien ohne Einschränkung
- Einzelne Werkzeugköpfe als Zubehör kaufbar
- Reparierbar bis auf Einzelteilbasis
- Erste Charge schnell ausverkauft, Auslieferung ab Juni 2026
Bambu Lab H2C:
- Schnelleres, ausgereifteres Ökosystem
- Komplettgerät, kein Umbau nötig
- Eingeschränkte Drittanbieter-Kompatibilität
- Closed-Source-Firmware mit weniger Customization-Optionen
Was das für den Markt bedeutet
Prusa war lange das Gewissen des 3D-Druck-Markts: Open Source, reparierbar, community-getrieben. Das INDX ist ein Statement, dass diese Philosophie auch 2026 noch wirtschaftlich funktioniert.
Ob das stimmt, wird das nächste Verkaufsquartal zeigen. Aber für die Community ist allein das Vorhandensein einer ernsthaften offenen Alternative zu Bambu Labs Ökosystem eine gute Nachricht.
Und für Bambu Lab dürfte Prusa mit INDX eine Erinnerung sein: Der Markt ist noch nicht entschieden.