Multicolor-3D-Druck hat seit Jahren ein schmutziges Geheimnis: den Abfall. Jeder Materialwechsel bedeutet gespültes Filament, so genannte Purge-Blöcke, die am Ende des Drucks im Müll landen. Bambu Labs AMS produziert sie, Prusas MMU3 produziert sie, und die meisten anderen Multi-Material-Systeme auch.
Das Bondtech INDX für die Prusa Core One+ ändert das grundlegend – und hat dafür die Physik des Werkzeugwechsels neu gedacht.
13 Milligramm: Eine Zahl, die den Standard verschiebt
Das INDX-System erreicht beim Werkzeugwechsel einen Abfall von nur 13 Milligramm Pellets. Das ist auf den ersten Blick eine technische Nebensache – bis man den Kontext kennt: Das bisherige Branchenbeste lag bei etwa 65 Milligramm. INDX schafft also ein Fünftel des vorherigen Bestwerts.
Prusa beschreibt es selbst als den Abschluss einer zehn Jahre langen Entwicklungsarbeit an der Frage, wie sich Filamentverschwendung beim Mehrfarbdruck lösen lässt. Der Ansatz: statt des klassischen Filament-Purge nutzt INDX ein Pellet-Extrusion-Verfahren außerhalb des Druckbereichs. Das extrudierte Pellet ist außerdem so geformt, dass es direkt in einem Filament-Extruder wiederverwertet werden kann – zum Beispiel in Crealitys M1 Filament Maker.
8 Werkzeuge, jedes mit eigenem Hotend
Das INDX-System ist ein vollwertiger Tool-Changer für bis zu 8 Materialien gleichzeitig. Jedes Werkzeug bringt sein eigenes dediziertes Hotend mit – der Kernunterschied zu Systemen wie dem AMS, bei dem ein gemeinsames Hotend zwischen Filamenten wechselt. Das ermöglicht:
- Sauberere Farbübergänge: Da kein Mixing im Hotend stattfindet, bleiben Farben schärfer getrennt.
- Unterschiedliche Materialien in einem Druck: PLA und TPU in einem Objekt, lösliche Supports, technische Materialien parallel zu Standard-Filamenten.
- Weniger Kalibrierungsaufwand: Jedes Hotend behält seine eigene Kalibrierung.
Preise und Verfügbarkeit
Bestellungen für das INDX sind jetzt offen. Zwei Konfigurationen stehen zur Wahl:
| Variante | Preis (USD) | Preis (EUR inkl. MwSt.) | Lieferung |
|---|---|---|---|
| INDX 4T (4 Werkzeuge) | 749 $ (inkl. Zölle) | 669 € | ab Juni 2026 |
| INDX 8T (8 Werkzeuge) | 999 $ (inkl. Zölle) | 899 € | ab Juni 2026 |
Die Preise gelten für den Prusa Edition Conversion Kit. Das Upgrade setzt einen Prusa Core One+ voraus – nicht das ältere Core One ohne Plus.
Was das für die MMU3-Frustration bedeutet
In der Prusa-Community ist die MMU3 seit ihrer Einführung ein kontroverseses Thema. Viele Nutzer berichten von zuverlässigen Betriebsproblemen: Filamentstaus, notwendige manuelle Eingriffe bei jedem Materialwechsel, und ein System, das nie so zuverlässig läuft wie das einfachere Bowden-Wechselsystem des AMS.
Das INDX ist keine direkte MMU3-Nachfolge – es ist ein anderes Konzept, eine andere Preisklasse und ein anderer Drucker. Aber es zeigt, wohin Prusa die Mehrfarbstrategie führen will: weg von filament-pooling und hin zu sauberem Werkzeugwechsel mit eigenem Hotend pro Material.
Für Bestandsbesitzer eines Prusa Core One (nicht Plus): Das INDX-Upgrade setzt den Plus voraus. Ein Core One Plus kostet separat – das muss in die Gesamtrechnung einkalkuliert werden.
Fazit
Das INDX ist ein deutliches Signal. Die Messlatte für Multicolor-Druck liegt jetzt bei 13 Milligramm Abfall pro Werkzeugwechsel, und Prusa hat gezeigt, dass dieser Wert mit sauberem Ingenieurdesign erreichbar ist. Ob das Upgrade die Investition von 669 bis 899 Euro rechtfertigt, hängt davon ab, wie intensiv man im Mehrfarbbereich arbeitet – aber als technischer Meilenstein ist das INDX kaum zu ignorieren.