Bambu Lab ist für kompakte, schnelle Desktop-Drucker bekannt. Der H2S erweitert dieses Konzept nach oben: ein Großformatdrucker mit 340 × 320 × 340 Millimetern Bauraum und aktiv beheizter Kammer – und trotzdem für den Schreibtisch ausgelegt.
Das „S“ steht für Single Nozzle: Anders als der H2D mit seinen zwei Düsen setzt der H2S bewusst auf einen einzelnen Extruder. Was steckt dahinter, und für wen ist das relevant?
Was der H2S bietet
Der H2S ist der Drucker mit dem größten Bauraum für eine einzelne Düse im Bambu-Lab-Portfolio. Die wichtigsten Daten:
- Bauraum: 340 × 320 × 340 mm (deutlich größer als der X1C mit 256 × 256 × 256 mm)
- Extruder: eine Düse bis 350 °C, optional als High-Flow-Variante
- Heizbett: bis 120 °C für ABS, ASA und Engineering-Filamente
- Kammer: aktiv beheizt bis 65 °C für verzugsarme Drucke mit PC, PA und Co.
- Multicolor: über das AMS, also mit Filamentwechsel an einer Düse
Der Unterschied zum H2D: Der H2D hat zwei Düsen und kann so zwei Materialien ohne Spülen kombinieren. Der H2S verzichtet darauf, nutzt dafür den vollen Bauraum mit einer Düse und ist mechanisch einfacher.
Warum eine Düse kein Rückschritt ist
Zwei Düsen klingen auf dem Papier besser, bringen aber mehr Kalibrierung, mehr Gewicht am Druckkopf und mehr mögliche Fehlerquellen mit. Wer vor allem große Einzelteile druckt – Gehäuse, Cosplay-Teile, Vorrichtungen oder Prototypen am Stück –, braucht diese Komplexität oft nicht.
Für Multicolor oder lösliche Stützen bleibt das AMS: Das funktioniert, erzeugt aber bei jedem Materialwechsel Spülabfall. Wer regelmäßig PETG mit PVA-Stützen kombinieren will, ist mit einem Dual-Nozzle-Gerät wie dem H2D oder X2D besser bedient.
Die beheizte Kammer ist dagegen der eigentliche Engineering-Vorteil: Großformatige Teile aus ABS, ASA, PC oder Nylon verziehen sich ohne stabile Kammertemperatur schnell. Genau hier spielt der H2S seine Stärke aus.
Wo der H2S im Markt steht
Der H2S positioniert sich zwischen Consumer-Druckern und professionellen Systemen:
Günstiger als Industrie: Professionelle Drucker mit ähnlichem Bauraum und beheizter Kammer, etwa von UltiMaker, kosten ein Vielfaches.
Teurer als Standard-Consumer: Der H2S ist kein Einsteigergerät. Zum Start lag der Preis in den USA bei 1.249 US-Dollar, als AMS-Combo bei 1.499 US-Dollar. In Europa liegen die Händlerpreise je nach Angebot grob zwischen 1.150 und 1.300 Euro für die Basisversion.
Neue Zielgruppe: Der H2S öffnet Bambu Lab eine Tür in den Small-Business- und Prosumer-Markt. Ingenieure, Produktdesigner und kleine Werkstätten, die große Teile in technischen Materialien brauchen, bekommen eine deutlich günstigere Option.
Community-Reaktion: Der größere X1C
In r/bambulab und in Testberichten wird der H2S oft als „der größere X1C“ beschrieben, den sich viele gewünscht hatten. Gelobt werden der Bauraum, die beheizte Kammer und der im Vergleich zum H2D niedrigere Preis. Kritischer gesehen wird, dass Multicolor weiterhin über das AMS mit Spülabfall läuft.
Fazit: Bambu Lab erwachsen?
Mit dem H2S und dem X2D zeigt Bambu Lab eine klare Strategie: Das Unternehmen wächst aus dem Consumer-Segment heraus und erschließt professionellere Märkte. Das ist wirtschaftlich sinnvoll – und gut für den Gesamtmarkt, weil es professionelle Features in günstigere Preissegmente drückt.
Für Maker, die große Teile in Engineering-Filamenten drucken wollen und auf eine zweite Düse verzichten können, ist der H2S eine der interessantesten Optionen am Markt.