Wer seinen 3D-Drucker für alltagspraktische Teile, Miniaturenfiguren oder Ersatzteile nutzt, sieht einem politischen Sturm entgegen – zumindest in den USA. Nach Kaliforniens AB2047 macht jetzt New York mit einem eigenen Vorstoß ernst: Der Budgetentwurf für das Fiskaljahr 2026–2027 enthält Bestimmungen, die alle in New York verkauften 3D-Drucker mit einer Überwachungs- und Print-Blocking-Software ausrüsten würden.
Was der Gesetzestext konkret vorsieht
Das Vorhaben steckt in Part C des Haushaltsentwurfs S.9005 / A.10005, der auf Antrag von Gouverneurin Kathy Hochul eingebracht wurde. Die Kernpunkte:
- Pflicht zur Zensursoftware: Jeder in New York verkaufte 3D-Drucker und jede CNC-Maschine muss Software enthalten, die jeden Druckauftrag auf verbotene Muster prüft und Drucke von Schusswaffenteilen blockiert.
- Überwachung jedes Drucks: Die Software soll laut Gesetz alle Druckvorgänge analysieren – nicht nur beim Erkennen von Waffen-Geometrien auslösen.
- Felony für Dateien: Der Besitz oder die Verbreitung bestimmter Druckdateien, die Schusswaffenkomponenten erzeugen würden, soll zum Class-E-Verbrechen werden – strafbar mit bis zu vier Jahren Gefängnis.
Die EFF spricht Klartext
Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat sich in mehreren Beiträgen entschieden gegen den Entwurf gestellt. Ihre Kernkritik: “Algorithmisches Print-Blocking ist schlicht nicht machbar” – und werde lediglich Wettbewerb, Meinungsfreiheit und Privatsphäre einschränken, ohne tatsächlich Waffen zu verhindern.
Ein zweiter EFF-Artikel legt nach: Print-Blocking funktioniert technisch nicht zuverlässig. Komplexe 3D-Geometrien lassen sich nicht eindeutig klassifizieren. Ein Ersatzteil, ein Spielzeug, ein Werkzeug und ein Waffenbauteil können in Schichtform ähnliche Profile haben – kein Filter kann das sicher unterscheiden.
Dazu kommt: Wer illegale Teile drucken will, kauft keinen neuen Drucker in New York. Ältere Drucker, Firmware-Patches und internationale Versandkanäle machen das Gesetz leicht zu umgehen – während normale Hobbyisten und Kleinunternehmen die Compliance-Last tragen.
Community-Reaktion: 2.669 Upvotes und Protest-Posts
In r/3Dprinting landete der Artikel “States are Gunning to Ban 3D Printers and CNCs” mit 2.669 Upvotes und 834 Kommentaren unter den meistdiskutierten Threads der letzten Wochen. In r/prusa3d rief ein Post unter dem Titel “Stop New York’s Attack on 3D Printing / CNC Machines” mit 174 Upvotes zur politischen Kontaktaufnahme auf.
Die Stimmung ist eindeutig: Die Community sieht den Eingriff als unverhältnismäßig und technisch inkompetent zugleich.
Parallele Entwicklung in Kalifornien
New York ist nicht allein. Kalifornien bewegt sich mit der AB2047 in eine ähnliche Richtung, wie wir bereits berichteten. Die Gefahr: Gesetze werden erfahrungsgemäß zwischen Bundesstaaten kopiert. Wenn New York und Kalifornien Precedent setzen, könnten andere Staaten folgen.
Was jetzt zu tun ist
Für Maker in New York und den USA allgemein gibt es konkrete Handlungsmöglichkeiten:
- Gesetzgeber kontaktieren: Der Haushaltsentwurf befindet sich im legislativen Prozess. Eingaben über die eigenen Abgeordneten sind möglich und wirkungsvoll.
- EFF und Maker-Organisationen unterstützen: Die EFF führt die juristische und politische Lobbyarbeit gegen solche Gesetze.
- Aufmerksamkeit generieren: Je mehr Öffentlichkeit diese Vorschläge bekommen, desto schwieriger wird die parlamentarische Umsetzung.
Für europäische Maker ist die Situation noch komfortabler – aber kein Grund, entspannt zu bleiben. Regulierungsideen reisen schnell über den Atlantik.